Dä Hoogemaan (Der Hakenmann)
In früheren Zeiten, als die Mosel noch nicht durch Stauwerke sicher schiffbar gemacht worden war, konnte sie nur mit Booten und Nachen befahren werden. Um ihre Fahrzeuge vom Land abzustoßen, sie schneller vorwärts zu staken oder andere Nachen heranzuholen, benutzten die Schiffer lange Holzstangen, die an einem Ende mit einem Eisenspieß, am anderen mit einem eisernen Haken versehen waren: der „Hoogestang“. Beim Eintauchen in das Wasser blieb die Stange gelegentlich im steinigen Moselgrund hängen, verkeilte sich, und konnte nur mit kräftigem Zerren wieder gelöst werden. Irgendetwas schien von unten daran zu ziehen!
Die Mosel war noch ein teils wilder, nicht kanalisierter Fluss, der oftmals gefährliche Strudel oder Untiefen aufwies. Es gab Stromschnellen, wie nahe dem obersten Häuschen – einem Heiligenhäuschen zwischen Mesenich und Senheim – die bei den Schiffern gefürchtet waren, die besonders bei stürmischem Wetter außerordentlich Schiff männisches Geschick oder – durch ein Sturzgebet – himmlischen Beistand erforderten. Schnell konnte ein Schiff hin und her geschleudert werden, anstoßen oder gar kentern. So wie es auch in der Geschichte des „undankbaren Schiffers“ festgehalten wurde.
Wer darüber hinaus zur nächtlichen Stunde, wenn ansonsten nirgendwo ein Laut zu vernehmen war, entlang der Mosel, wandelte, dem lief das eisige Schauern über den Rücken, wenn er aus des tosenden Wassers Schlund die schreckliche, dem Basston eines Schiffshorn ähnelnde Höllenstimme hörte, die dann in dem engen Tal verhallte. Denn an den felsigen und steinigen Uferrändern und besonders an den später zur ersten Flussregulierung erbauten Buhnen entstanden Wasserwirbel, die Glucksten und gluckerten, und unheimliche Geräusche von sich gaben.
Der dorfnahe Fluss wurde früher zum Baden von Mensch und Tier, aber auch für die Wäsche oder andere Hausarbeiten genutzt wurden. Man wollte oder musste sich also am oder im Wasser aufhalten, obwohl viele Menschen nicht schwimmen konnten. Doch der „nasse Tod“ war ein regelmäßiger Bekannter im Ort. Immer wieder ertranken unerfahrene Kinder, aber auch Erwachsene aus erklärlichen oder unerklärlichen Ursachen.
Als Erklärung für all diese Phänomene konnte nur der Hoogemaan herhalten!
Die Stimmen und Geräusche, die man am Wasser hörte, waren die Rufe der Schreckgestalt, die auf der Suche nach jungen, des Schwimmens unerfahrenen Opfer war. Das Ziehen und Zerren des Wassers an Nachen und Schiffen waren die Versuche des Hoogemaans, diese zum Kentern zu bringen.
Den Vätern und Müttern kamen diese Stimmen und die unerklärlichen Wasserbewegungen sehr gelegen. Sie sagten zu ihren Kindern: „das ist der Schrei des Hakenmannes. Er ist ein Wassergeist, der auf dem Grund des Flusses lebt und nach den Kindern greift, welche ihm am Ufer zu nahekommen und zieht sie in die Tiefen des Flusses. Dort hält er sie gefangen und lässt sie ihre Dienste für ihn verrichten oder verschlingt sie gar mit Haut und Haaren.“ Man wusste auch, dass er immer dort war, wo sich ein trichterförmiger Wasserwirbel drehte, und manchmal waren mehrere Wasserwirbel in der Nähe des großen, das waren natürlich seine Kinder. Oftmals wurden die Warnungen mit weiteren gruseligen Geschichten verbunden.
So war der Hakenmann ein fester Bestandteil früherer Kindermythologien, wie der Klapperstorch, das Christkind, der Osterhase, das Telligenmännchen u.v.a.m. Die stetigen Warnungen vor dem Wassergeist waren auch ein Grund dafür, dass viele Moselanwohner nicht schwimmen konnten. Und ging man später über den Friedhof, so machte man oft Bekanntschaft mit den Grabsteinen der Opfer des „Hoogemaans“, die einen immer wieder an die Gefahren erinnerten.
[zusammengetragen von Martin Arens, Mesenich]
Das Telligenmännchen
Zwischen den Gemarkungen von Briedern und Mesenich fließt der Telligen Bach vom Waldrand durch Weinbergsland bis zur Mosel. Sein Name ist bei den Einwohnern der Dörfer bis in die heutige Zeit mit einem Spuk verbunden.
Wohl bereits in Napoleonischer Zeit hatte ein Mann aus Briedern ein Haus in Mesenich verkauft und dafür eine große Geldsumme eingehandelt. Vertrauensselig wie der gute Mann nun einmal war, hatte er nichtsahnend seinem Nachbarn von dem glücklichen Handel erzählt. Dieser aber war ein hinterhältiger Geselle und sann darüber nach, wie er dem gutgläubigen Mann das Geld entreißen könne.
Als endlich der Tag gekommen war, an dem der Briederner den Verkaufserlös in Mesenich abholen wollte, folgte ihm der Nachbar heimlich auf den Fersen.
Nun war es so, dass drei Wege die beiden Orte miteinander verbanden. Der eine war breit und führte dicht am Moselufer entlang, der andere war schmal und schmiegte sich eng an den steilen Moselberg. Der dritte führte anstrengend hoch über den Wacholder. Weil aber der Bösewicht nicht wusste, welchen Heimweg der Nachbar wählen würde, hatte er ihn vorher unter einem Vorwand nach seinem sicheren Weg ausgefragt: „Man kann ja nie wissen, was passiert“. So legte er sich nahe der Steinbrücke (heute an der L98) zur Lauer.
Als die Dunkelheit hereingebrochen war, ertönten plötzlich von fern der Schritte des Heimkehrers. Der Bösewicht zog ein gespanntes Seil stramm, und der nichtsahnende Mann stolperte über das Hindernis. Er prallte so heftig auf den steinigen Boden, dass er die Besinnung verlor. Diesen Augenblick nutzte der Bösewicht, nahm einen bereitgelegten Weinbergspfahl, eilte zu dem Bewusstlosen und erschlug ihn ohne langes Federlesen. Darauf durchwühlte er die Taschen des Ermordeten. Aber - aus welchem Grund auch immer - der Kaufpreis wurde in Mesenich dennoch nicht übergeben, mit leeren Taschen musste der Verkäufer wieder den Heimweg antreten. So fand der Unhold nicht den erhofften Beutel voller Golddukaten, sondern nur einen einzigen erbärmlichen Batzen. Den warf er zornig weg und durchsuchte noch einmal hastig alle Taschen, fand aber nichts weiter als einen Zettel und einen Schreibstift. Vor Wut bebend schrieb er darauf: „Für einen Batzen hab ich ihn erschlagen“. Dann steckte er den Zettel an den Hut des Ermordeten und hängte ihn an einen Weinbergspfahl. Den Toten schleppte er zur Mosel hinunter und warf ihn hinein. Dreimal schwemmte der Fluss die Leiche wieder ans Ufer, aber jedes Mal beförderte der Mörder sie wieder mit einem Fußtritt zurück ins Wasser. Erst vor Briedern trieb sie schließlich ab.
Niemand hatte die Mordtat mit angesehen, es gab keine Zeugen. So blieb der Täter unentdeckt und der Mord ungesühnt. Nach seinem Tode aber fand der Verbrecher keine Ruhe im Grab. Vielen Leuten aus Briedern und Mesenich ist er schon bei Nacht und Nebel am Telligen Bach begegnet, wenn er, über seine Mordtat sinnend, unstet zwischen Büschen und Strauchwerk umherirrte. Früher riefen die Kinder aus Briedern und Mesenich, wenn sie einander erschrecken wollte: „Der Telligen Mann kriegt dich!“. Und noch in heutigen Tagen kommt es immer wieder vor, dass er nahe des Grenzbaches Wanderer zum Stolpern bringt, Radfahrer aus dem Sattel stößt oder sogar Fahrzeuge vom Weg abbringt.
[zusammengetragen von Martin Arens, Mesenich]
Urlaub in Mesenich
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Feste & Feiern
Egal ob Weinlagenfest, Kellerkirmes oder Weinfest, in Mesenich weiß man zu feiern.